Tag 6 – Hirtshals bis Skagen (60 km)

Die kürzeste Etappe der Tour stand heut auf dem Plan. Nur knapp 60km bis Skagen. Ich hab so gut geschlafen wie lange nicht mehr. Bin aber ja auch schon echt früh in dieses gemütliche Bett gefallen. Das B&B war echt jeden Cent wert. Mit Liebe eingerichtet und geführt. Das Frühstück ein Traum. Vieles frisch selbstgemacht und auch hier sehr darauf bedacht dass alle Gäste sich vor dem Gang zum Buffet desinfizieren. Es gab mega gute Eier, die in Kuchenform präsentiert wurden. Muss ich mir merken wenn ich mal zum Frühstück einlade. Pancakes und geilen Käse gab auch. Ich hab natürlich zu viel gegessen, aber es war zu gut. Die Inhaberin kam mit einer Schnapsflasche zu meinem Tisch und fragte ob ich gerne mal eine Hirtshals-Spezialität probieren möchte. Ich sag zum Frühstück? Ja sicher… okeeee. War gar nicht so stark. Die Geschichte dahinter ist süß. Damals gab es natürlich noch nicht so viel Medizin wie heute und dann hat ein altes Mütterchen in der Umgebung Kräuter gesammelt und diese mit Aquavit versetzt. Hilft gegen alles. Wer ihr eine Flasche klaren Aquavit brachte, dem verwandelte wie die Flasche in ihren Zaubertrunk. Wer heute eine Flasche mit ins Museum hier bringt, bekommt auch ein Flasche von dem Bjesk im Tausch. Konnte ich jetzt leider nicht mitnehmen. Aber mal im Hinterkopf gehalten fürs nächste Mal. 

Bin um 9 erst los, hatte ja genug zeit. War leider sehr stürmisch und zugezogen. Mir war morgens schon klar, dass ich keinen schönen Fotos in Skagen machen kann. Letztes Jahr war hier Bullenhitze und ich war so froh da ins Wasser zu können. Aber zurück zur Tour. Schön finde ich hier immer wenn mein Navi sagt: Jetzt links auf den Radfernweg. Sowas sagt es in Deutschland nie. Ein Radfernweg ich echt ne prima Sache. Extra für weite Strecken mit dem Rad ausgelegt. Hier geht man halt davon aus, dass auch etwas weitere Wege mit dem Rad getätigt werden statt immer mit dem Auto. Die ersten Kilometer führten durch den Wald. Sehr entspannt, nur Fahrräder und Jogger. Der Weg ging in eine Dünenlandschaft über und ich fuhr total euphorisch immer weiter. Das Navi sagte links, ich mach grad noch ein Video, auf einmal steh ich am Sandstrand und ich soll rechts weiter fahren. Ja ne is klar. Da ist kein Weg. Gott sei Dank ist mein Bike mit den breiten Reifen ja für solche Fälle bestens ausgestattet. Bin also einfach mal auf den Strand gerollt. Da war aber kein Weg. Ich sah wo das Navi hinwollte, dafür musste man aber über einen Fluss. Mir war aber klar wo der Abzweig dahin war. Ich schon also wieder zurück und dann über ein neu angelegtes Steg und Brückensystem. Immer äusserst flexibel wenn mal was nicht so klappt wie geplant. Fun Fact: In der Zufallswiedergabe auf meinen in Ears lief gerade „Vamos a la playa“… kannste dir nicht ausdenken.

Kurz danach ging es durch einen kurzen Wald-Single-Trail über Wurzeln und Hügel. Genial. Hier bin ich auch schon mal auf einer anderen Tour langgefahren mein ich. 

Als ich gestern so auf Hirtshals zufuhr hatte ich auch ne super Playlist auf den Ohren. Plötzlich Kölsche Tön und Frau Drewke fängt an zo kriesche. Jo dann schleiht et Kölsche Hätz su wie n dicke Trumm. Jo dann hüpp dat Kölsche Hätz un kritt sich mit mit in, su muss es sin. Morgen befinde ich mich ja schon wieder auf der Retour. Gibt doch nix schöneres als wieder nach Köln nach Hause zu kommen oder? 

Auf dem Weg durch die Heide hab ich mich irgendwann kurz umgedreht. Da war hinter mir eine riiiiiiiesengroße schwarze Wolke. Gott sei Dank nicht aufgeplatzt. Aber wenn man bei Sonnenschein da lang fährt ist es 3 Zillionen mal schöner. Als ich gerade in Skagen rein fuhr bekam ich eine sms dass mein Zimmer fertig sei. Fand ich perfekt getimed. Laut Plan sollte das nämlich erst in 2 Stunden bezugsfertig sein und ich wollte meine Klamotten nicht mit zur Spitze nehmen. Also kurz eingecheckt. Ist ein Hotel mit Bar. Süßes kleines Zimmerchen mit Gemeinschaftsbad. Hab meinen Badeanzug angezogen weil ich eigentlich noch ins Wasser hüpfen wollte. War allerdings arg kalt und ich hatte das im Hotel schon abgeschrieben. Trotzdem mal los. Die Sonne zeigte sich kurz, aber wirklich nur ganz kurz leider. Als ich grad am Wasser ankam wars schon wieder zugezogen und stürmisch. Egal trotzdem weiter bis Grenen (der Punkt wo Nord- und Ostsee aufeinander treffen). Ich hab meine Schuhe ausgezogen und lief die 3km durchs Ostseewasser. Meine Füße waren schnell taub vor kalte. Aber ist bestimmt gesund für die Fööss. Ich glaube es pilgerten ungefähr 500 Leute dorthin, der Strand war voll mit menschen, obwohl das Wetter so scheisse war. Oben angekommen tummelten sich alle an der Spitze und machten Selfies. Ich natürlich auch. Ich hatte immer noch die Hoffnung, dass die Sonne mal für nen kurzen Moment durchkommt. Total faszinierend finde ich, dass die Ostsee ultra rau und kalt ist. Die Wellen schlagen hoch es stürmt. Auf der Nordeseeseite, also 1m entfernt, ist das Wasser ruhig und fast mild. Die beiden Meere knallen unaufhörlich die ganze Zeit zusammen und keins der beiden gibt nach. Find ich ultra interessant. Die 3km laufen tat ganz gut. Aber meine Füße waren echt Eisklötze. Auf der Nordseeseite wäre ich glatt mal kurz ganz reingehüpft, aber es war echt zu kalt. Und dazu kommt, dass Baden dort oben verboten ist wegen der Strömung. Dabei ist das Wasser dort richtig türkis und karibisch, auch wenn die Sonne nicht scheint. Ich mag diesen Ort. Als ich auf dem Parkplatz zurück war, war ein paar Meter weiter eine Dame an einem Fahrradschloss am sägen. Komischer Moment. Aber ich glaube es gehörte ihr und sie hat den Schlüssel verloren. Wirkte leicht verzweifelt. 

Zurück in Skagen war ich kurz Getränke kaufen. Im Supermarkt gab es eine mega gute Gin Auswahl. Ich musste leider einen mitnehmen, den ich so in Deutschland nicht bekommen würde. Die Flasche ist dunkelblau und wenn man sie aufs licht stellt leuchtet sie hellblau. Mattiertes Glas. Bin gespannt wie er schmeckt. Blöd nur dass ich es jetzt noch 4 Tage mitschleppen muss. Und vor allem morgen, wenn es regnet ätzend. Ich wollte im Ort noch einen Drybag für die rechte bike Seite kaufen, dachte aber 1. eh nicht dass es hier sowas gibt und 2. dachte ich die Geschäfte haben noch ne Weile offen. Steh ich auf einmal eisschleckend vor einem outdoorladen soeben geschlossen mit drybags im Fenster. Scheisse! Könnte ich morgen echt gut gebrauchen für den Kram den ich eigentlich sowieso nicht mehr auspacken muss die Tage. Wie Gin und Honig oder die Loggins die ich unnötigerweise mitgenommen habe. Der Laden macht morgen früh erst um 10 auf. Ich überlege dann etwas später loszufahren. Das blöde ist nur, dass ich dann schon Driss nass sein werde bis ich an dem laden ankomme :-/ 

Im Ort ist ein Restaurant neben dem anderen und scheinbar ist Live musik gerade willkommen. In jedem Laden gab es Musiker mit Livemusik die scheinbar einmal Reih um gereicht wurden. Bisschen Nieselregen gab es. Woran erkennt man die blöden Touristen? Dass sie dafür einen Schirm aufspannen :-p Aber es sind wirklich fast nur Dänen hier. Ich habe selten so wenig deutsch gehört wenn ich in typischen Urlaubsregionen hier bin. 

Ich hab mir einen Laden ausgesucht wo ich Fish and chips essen wollte. Die hatten nämlich eine große Bierkarte. Der Durst ist mir allerdings vergangen, weil das scheinbar ein Laden ist, wo man nur Einheimische bedient. Hab super lang gewartet, mich sogar noch umgesetzt und erst als ich jemanden direkt fragen konnte bekam ich die Karte. Dahingegen ein Rudel junger Dänen, alles Herren, setzt sich an den Tisch, der Kellner kommt mit Karten und wischt den Tisch, kurz darauf kommen die Drinks. Und das obwohl ich noch gar nicht den Mund aufgemacht hatte. Scheinbar sah man mir das touristische an… hab ich so noch nie nie niemals in Dänemark wahrgenommen. Vielleicht lag es auch woanders dran. Aber die beiden süßen Kellnerboys haben mich ganz klar eiskalt ignoriert. 

Jetzt bin ich nach einem Bier wieder im Hotel und muss mich jetzt noch um einen Duschslot bemühen. Das Nebenzimmer duscht gerade alle nacheinander… und laut sind sie auch. 

Drückt mir die Daumen dass ich morgen wenigstens trocken zu dem Laden mit dem Sack komme. Dann kann es meinetwegen den ganzen Tag weiter regnen. Was nicht schön ist aber scheinbar unvermeidbar. 

(c) by Vera Drewke http://www.facebook.com/diedrewke http://www.veradrewke.photography

2 Kommentare zu „Tag 6 – Hirtshals bis Skagen (60 km)

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