Tag 9 : Finale! Köln bis Calais/ 120km Gent bis Köln

Auf gehts in den letzten Tourtag zum Grande Finale. Mucho motiviert sähe anders aus aber gut. Freu mich aber schon irgendwie wieder auf zu Haus, auch wenn ich dann erstmal mit dem kurzen Stillstand zurecht kommen muss. Die Nacht war Strange, hab etwas über die Strenge geschlagen am letzten Abend und nach der Erschöpfung das Starkbier ballern war keine gute Entscheidung…

Bin erst um 9 los. Wieder ohne Kaffee, weil… jetzt hab ich es selbst erlebt… ich glaub jemand hst seine Unterhosen im Wasserkocher gewaschen. War voller Flusen und Sand. Hab mich also dagegen entschieden. Es war sehr anstrengend. Ich war eigentlich gut drauf, nix tat weh und die Beine funktionierten. Aber wenn die Sonne weggeht und wind dazu kommt und du die ganze zeit die restliche Strecke im Kopf hast kickt das manchmal übel rein. Ich versuche immer weniger auf den Tacho zu achten aber macht man zwangsläufig. 

Bis zur Fähre ging es eigentlich. Ich hab heut morgen erstmal 15 Minuten damit verbracht wie ich die Route abkürzen oder schöner machen kann. Sie wurde immer länger und dazu fühlte ich mich nicht gereicht. Ich ließ es wie es ist. Und der PArt durch Belgien war wieder super schön. Wenn in Belgien Bundesstraße steht ist trotzdem für Radfahrer ein super weg vorgesehen. Auch ein toller neuer Belag. Das ist so ne Sache für sich. You know when you know. Es gibt mega Beläge und driss Beläge. Da rollt es einfach nicht. Erfahrung kickt. Hier alles tutti. Auch ne mega Abfahrt durch ne Baustelle. Ich hatte teilweise 40km/h Abfahrten heute. War ja die Strecke mit den meisten Steigungen. Aber da muss man sich auch erstmal hochschrauben, völlig klar. 

Die Fähre fährt die ganze zeit auf 20m Mini Flussbett hin und her. Fußgänger und biker free. 

Ich hatte gestern keinen Ingwershot und  auch keinen Apfel für die letzte Etappe gekauft. Hab in Sittard angehalten und kurz geshopped … mit der Auflage wie immer Nix unnötiges bitte weil muss man alles transportieren. Und ich hatte schon das Bier von gestern on top. Hatte das falsche gekauft ich depp. Egal wird auch getrunken. Aber das blonde wäre besser gewesen. 

Hab heut alles reingeballert war ging. Normalerweise konsumiere ich recht wenig auf tour, weil ich 1. nicht weiß wie ich’s vertrage und 2. so träge davon werde. 

Wenn man die Hälfte erreicht hat macht sich innerer Frieden breit. Dann denkt man ok das kann ich schaffen. Irgendwie bei Geilenkirchen kam ne schwarze Wolke und ein kleiner Platzregen. Später bei Jülich nochmal. aber nicht so dramatisch. Bin weiter gefahren. War aber schwer zu entscheiden was war zu warm und was zu kalt an Kleidung. War auch komplett durchgeschwitzt. 

Überigens ne ganz schlechte Kalorienverbrauchsbilanz. Wer mit wenig reingeht, verbrennt auch viel weniger. 

Jedenfalls wars ein super Gefühl als plötzlich Köln auf dem Wegweiser Stand. War ich kurz bisschen emotional. Hab durchgezogen. Auf der Aachener… standesgemäß weil wir von Benelux kommen… war ein Dixi da hab ich kurz angehalten, weil mein Plan war wie immer am Gaffel am Dom kurz einzukehren und da kann ich mir Bike und Gepäck nur draußen sitzen. Oder auch nicht, weil gab keine Aussengastro 😦 Hab kurz Fotoaction am Dom gemacht und bin dann nach Haus. Auch deshalb fahr ich nur noch im Sommer. Das ist komplett Tradition. Wollte aber jetzt nicht das ganze Gepäck abmachen und reingehen. Weil hier sind wir nicht mehr in Belgien, Holland oder France wo man alles draußen stehen lassen kann. Das wäre einfach weg gewesen hier in kölle. 

Außerdem war ein Riesen Auflauf an Kurden oder so. Alle in so bunten plastikkleidern und irgendwas hab’s zu feiern. Die Stadt war voll. War froh als ich zu Hause war. Alles hochtragen war bisschen anstrengend aber bin direkt in die Wanne. Bestell mir jetzt noch ne Pizza und dann ist erstmal gut.

Tag 6: Köln bis Calais, 121km von Dunkirque bis Zoutelande

WOW… nennt mich irre, denn ich bin’s. Wo fang ich denn heut an… Also erstmal in Frankreich. Ich hab die NAcht wieder komplett Eskalation geschwitzt. Das ganze Bett klätschnass. als ob ich NAchts die Tagesetappe gedanklich nachradeln würde. Naja, jedenfalls habe ich dazu auch die ganze 1,5 Liter Wasserflasche ausgetrunken. Was raus geht muss auch wieder rein… oder so ähnlich. Heut morgen erstmal 2 Elektrolyte Brause-Tabletten getrunken und auch in meine Flasche für die Fahrt mit reingeworfen. Fahrrad aus dem Keller holen war unproblematisch. Leider keine Kaffeemaschine auf dem Zimmer… und auch Proviant war aufgebraucht. Musste also irgendwo halten. 

Das ist wirklich ein Phänomen, dass ich nach 5 Tagen im Sattel einfach komplett im Game bin und Schmerzen und Co ausblenden kann, weil es einfach nur noch geil ist. 

Der erste Etappenteil war mir ja schon bekannt. Allerdings sieht es bei Sonne komplett anders aus und macht viel mehr Laune. Also wieder an der Bahntrasse und sämtlichen Kanälen vorbei. Es gab kein Schild dass ich wieder in Belgien war. Nur auf der Schnellstraße gab es einen kleinen Posten und ein Schild aber mein NAvi wollte da nicht lang. Das NAvi hat gestern ja auch gesponnen, genauso wie meine 360 Grad Kamera die Tage. Technik nervt manchmal. 

Ich war ja sehr skeptisch was den Wind heute betrifft. Am Anfang hat man es schon ein wenig gemerkt auf den offenen Feldern, aber ich hatte mit viel viel mehr gerechnet laut Vorhersage. Die ersten 20 km zogen sich deshalb auch ein wenig. Ich konnte nicht im kleinsten Ritzel fahren wie sonst. Das ist eh kaputt aber das bringt die größte Übersetzung.

Während ich das schreibe sitze ich hinter einem Paar was richtig bescheuerte Themen bespricht. Richtig Nerds, nervt mich komplett da zuzuhören, muss gleich den Tisch wechseln wenn das so weiter geht. Auch wie die das Essen bewertet haben, ganz furchtbar. Wenn ich so werde führt bitte ein Storno aus… 

Jedenfalls muss ich jetzt mal ne Lanze für die Belgier brechen. Ich war ja schockiert als ich nach Frankreich rein bin und alles was Radwege betrifft Katastrophe. Kein Fahrradfahrer wird hier respektiert. Fahrradwege enden im Nirvana. Auffahrten für Fahrradwege sind nicht abgeflacht. Kein Autofahrer hält für einen an. Man wird weggehupt… Richtig unsympathisch. Und kaum bin ich wieder in Belgien, alle super freundlich, tolle Fietswegen, super ausgeschildert, Autofahrer lassen einem Vorrang… ich finds fast noch besser als in Holland. 

Warum sitzen hier überhaupt so viele Deutsche, ich komm doch nicht hier hergeradelt um mir deutsches rumgesülze anzuhören. Ne Tanzmücke,… was redet der für nen Driss?!

Mein Zwischenziel hieß heute Oostende. Ich hab mir gesagt wenn ich die 50km schaffe dann ist gut und dann kann ich immer noch in die Bahn steigen hab aber immerhin 50km abgerissen. Und dann fahr ich an der Promenade lang bei Sonnenschein, bin komplett happy, der Wind ist irgendwo hinter den Häusern und Dünen und ich denk mir ach fuck ich hab Bock für 10 das heut einfach zu rocken. Und die Drewke gibt noch mal Gas. Whaaaaat? Hätt ich gestern nie gedacht dass das heut so geil wird. In Oostende hab ich mich getraut die Jacke auszuziehen. Trägt hier übrigens fast jeder Radfahrer, voll Safty First die gelben neon Jacken. Genauso hab ich die Brille ausgezogen und gegen die Sonnenbrille getauscht. Bin ja gar nicht soooooo blind. Hat gut funktioniert bis ins Ziel.

Die Strecke nach Oostende verlief richtig gut. War je Art Schnellstraße zwischen den Dünen. Bin auch mal hochgekraxelt. 

Richtig schön fand ich auf der Strecke De Haan. Da hab ich kurz im Supermarkt gehalten nach 60km und bisschen was an Getränken und Joghurt Drink gekauft. Heute hab ich auch tagsüber gut was getrunken was natürlich innerhalb kürzester zeit leer war. Wenn die Sonne scheint fällt trinken einfach leichter. De Haan würde ich mir auch mal in ruhe noch anschauen wollen. Auch wenns nur ein kleiner Ort ist. Blankenberg dah auch sehr schön aus. 

Können wir kurz darüber reden, dass ich heute einfach durch 3 Länder geradelt bin? Ohne Motor, nur meine kleinen Beinchen… Die Niederländische Grenze habe ich auf dem „Dijk international“ passiert. Nachdem die 300. Baustellen Umleitung mich wieder in den Wahnsinn getrieben hatte. Wirklich unendlich viele Baustellen hier, in jedem Land. Nervt wirklich wenn Straßen einfach komplett gesperrt sind und man andere Wege fahren muss. Hab heut nen Bauarbeiter angesprochen ob das hier nur ein kleiner abschnitt sei oder die ganze Straße… ne ganze Straße kannst hier nicht weiter. Ok, ich dann halb durch den frischen Beton gestapft und Ausweichroute angesteuert. Und Schwupps war ich in den Niederlanden. 

Ich hab wirklich noch mal richtig reingehauen weil ich wusste die Fähre fährt um 16:18 Uhr und dann erst ne Stunde wieder später. Ich war 10 Minuten vor Abfahrt da. Ticket gekauft und los gehts. Sogar nen Sonnenplatz ergattert. Kostet mit Bike 6,35€ oder so. Ist so ne Schnellfähre, weil der WEg ist schon nicht unerheblich. 6,5km sehen wirklich sehr weit aus dachte ich mir bei der Anfahrt. 

Die 120km heute waren relativ easy. Wenn der Wind nicht mitgespielt hätte wäre ich jetzt noch nicht angekommen. Kaum in Holland ging es auch direkt auf die Dünenwege. Cadzand voll schön bei diesem Wetter. So ging es die ganze zeit weiter bis zur Fähre. 

Von der Fähre runter waren es noch 12 km bis zum Hotel. Da stand dass die Rezeption nur bis 17 Uhr besetzt sei also versuchte ich anzurufen weil ich sonst nicht wusste wie einchecken. Keine Reaktion… Hatte kurz Panik ob ich kein Hotel für die NAcht habe wenn keiner mehr für den Chekin da ist. Und dann hab ich mich beruhigt und gesagt du fährst jetzt erstmals hin und dann kannst du dich immer noch aufregen. War 17:30 dann da und wie sich herausstellte alles gut. Die Rezeption war noch besetzt und sprach sogar deutsch bzw. war Deutsche. Schnell eingecheckt und dann rüber zum JUMBO Wasser für die Nacht kaufen und Drinks für die Fahrt morgen, weil der nur noch 20 Minuten geöffnet hatte. 

Wäre gern früher angekommen aber ging ja nicht. Hab sogar nen Balkon. Hab dann bisschen AKuu geladen und bin dann auf den Deich pünktlich zum Sonnenuntergang. Wie nice war das bitte? 

Wollte dann eigentlich in die andere Richtung um nach was zu essen zu schauen und bin dann doch zum Strandpavillion. Der übernächste sollte es sein. Die Küche hatte allerdings schon geschlossen gab nur noch frittiertes. Gut Kibbeling und Fritten gehen immer. War aber schon sehr Rausschmeisser mäßig. Bin dann auch gegangen und zum 1. Pavillion. Viel, viel besser. Da sitze ich jetzt während ich das schreibe mit nem Absacker Bierchen. Gute Musik netter Service, Leckeres Bier – De Branding kann ich empfehlen. Ich übernachte im Strandhotel Zoutelande auch ganz nett.

Morgen fahr ich wieder bis Antwerpen und lass es etwas ruhiger angehen. „Nur“ 88km. Kein Stress in dr Bud, hier gibt es sogar Frühstück. Wow! 

Jetzt duschen und die Knie einschmieren. War heut schon grenzwertig. Die 40 merkt man dann ja doch irgendwie auf sich zusteuern haha. Gut, vielleicht auch bisschen krasse Belastung die letzten Tage, wa?! Aber Aufgeben war noch nie mein Ding und wenn es irgendwo ne Challenge gibt dann ist die Drewke am Start. Vielleicht mach ich mir für diese Leistung selbst ne Medaille haha. 

Tag 5 – Köln bis Calais/ 78km Fort Grand Philippe bis Dunkirque

Irgendwie ist ja immer an einer Stelle der Wurm drin. Angefangen damit dass der Ort komplett ausgestorben war und es kein frisch gezapftes Bier für mich gab… dann Abends noch die Hiobsbotschaft: Bindehautentzündung… Wenn die scheisse aus meinen Augen quillt ist es nicht gut. Hatte ich zuletzt im Dezember und deshalb hab ich mich gefeiert, dass ich die Antibiotika Tropfen eingepackt hatte. Bin um 23 Uhr schlafen gegangen ohne Film oder Serie, nix mehr. Ruhe für die Augen und die Seele. 

X Mal die Nacht aufgewacht wegen Husten. Hab irgendwann Paracodin Tropfen genommen weils nicht anders ging. Geschwitzt ohne Ende. Aber die Tropfen scheinen zu helfen. Morgens musste ich erstmal alles in Schuss bringen in der Wohnung. Müll zusammen suchen der weggebracht werden musste, alles einpacken, fertig machen. Das Haus ist irgendwie automatisch gesteuert. Die Heizungen gehen zu einer bestimmten Zeit an und aus. Im Bad war die Heizung einfach konsequent kalt. Wer macht denn sowas? 

Ich hatte bisschen Respekt davor heut loszufahren. Augen soweit ok aber nicht perfekt. Der Wind war heftig gemeldet. Aber die Richtung Calais war noch einigermaßen entspannt. Natürlich standen da angekommen nicht mehr diese bunten Fahrräder wie sie mir bei Komoot angezeigt wurden. Das hätte ein schönes Bild gegeben. Vermutlich nur für Olympia. Da sah man noch einiges was darauf hindeutete. Hab ich ja gesuchtet. Wäre gern auch irgendwo hingefahren um es mir live anzuschauen. 

Jedenfalls dacht ich mir ich fahr nicht noch die Route am Stand lang sondern spar mir die Kilometer weil ich ja weil dass der wind in die andere Richtung noch extremst anstrengend wird. Also bin ich nur kurz zum Strand bzw. zur Leuchtturm Brücke und dacht ich spinn. Läuft da ein gigantöser Dinosaurier wo Touristen drauf platz nehmen können. Hä!? Aus dem nix erschienen und 5 Minuten später war er wieder verschwunden. Macht keinen Sinn, aber Leute scheinen dafür Geld auszugeben. 

Ich fand Calais sehr schön, irgendwie englisch Style. Aber es war wieder mal zu kalt für alles. Stand immer im krassesten Wind. 

Während ich ich das hier schreibe bin ich sehr glücklich dass ich in Brügge einen Hoddie gekauft habe. Hab heut so viel geschwitzt hätte niemals in meinen Bike Klamotten losziehen können.

Übrigens, die Problematik mit dem Ort gestern. Glaub hab ich nicht geschrieben. Der Canot fährt erst ab April wieder. Glaub hier ist generell alles noch im Winterschlaf. Überall. Wäre unheimlich gern übergesetzt. aber naja. Couscous und Bier war auch ok.

Also nach Calais hab ich die Route kurzerhand umgeplant und bin die Route gefahren die als Radweg deklariert war. War ganz nice.Aber mein Komoot Navi hat’s nicht gecheckt. Musste neu starten, die alte Bitch. Zurück bin ich aber wie geplant näher am Meer vorbei. War ein Fehler, weil komplette Schotterstraße mit Löchern drin. Musste einfach alle paar Zentimeter ausweichen. Schneller wäre gegen den Wind aber auf der Hauptstraße gewesen.  Den Rest der Strecke hatte ich auch umgeplant. Wollte nicht wieder über die Schnellstraße und an den Zelten vorbei. Bin dem offiziellen Radweg gefolgt. Bei dem Wind war eh alles egal. Hat aber gepasst. 

Hätte mir im Hotel ne Badewanne und ne Bar gewünscht. Leider weder noch. Naja. Der Typ an der Rezeption war interessant. Buntes Haargummi Nagellack und sehr kommunikativ. Mein Bike durfte in einen leeren Saal. Ist ja ein Kongresshotel. Bar gibts wohl nicht aber egal. Bin dann kurz zum Supermarkt wurde 3x angelagert auf dem weg dahin. Hab nur Wasser un Kekse gekauft. Bier wie immer nicht gekühlt. Dann in ne Bar, aber die macht erst um 18 Uhr auf. Hab in der Sonne vor der Tür gewartet. Erste drin heiß erstes Bier. War aber selfservice musste ich erst lernen. Toller Laden. 15 Bier vom Fass. Studentenviertel. Hab 3 Bier getrunken und ne Bol de Frommage. Haben die mir hier direkt nen Selleriesalz Streuer zu angeboten. Okay… gute Biere, aber direkt too much. Warum fragt hier jeder „Are your sure“? Wenn ich Trinkgeld geben möchte? Ihr macht nen guten Service also gebe ich Trinkegeld… where is The Problem?

Kurz ins Hotel die Einkäufe wegbringen und wieder los. Hätte mir ja ne Badewanne gewünscht  aber naja…

Hab einen Tisch in einem Restaurant gebucht. Mach mich jetzt auf den Weg.

Übrigens sehr auffällig: Seit Tagen finde ich Gendarmerie und Militär hier sehr präsent. Was ist da los?   Die stehen an jeder Ecke…. Einerseits beruhigend andererseits beängstigend.

Hab einen Tisch im Restaurant „Le Protocolle“ nebenan gebucht. Kann den Laden nicht einordnen. Einerseits Fine Dining andererseits Sportsbar. Wollte eigentlich Crevetten und Austern bestellen aber hab mich im letzen Moment dagegen entschieden. Bin jedenfalls nicht die einzige die hier alleine sitzt. 

Was ne absolute Unart der Franzosen ist: Stilles Wasser. wer trinkt sowas freiwillig? Und generell sind die hier super unfreundlich zu Fahrradfahrern und generell. Ich bin gern in Südfrankreich aber hier ist irgendwie Eiseskälte gegenüber Touristen. How can this be? 

Jedenfalls hab ich in meinem Zimmer eine Extra Tür die verschlossen ist. Denke mal ich bin im Eltern Zimmer und könnte aufschließen für die Kindern. 

Übrigens: was soll das eigentlich dass Fahrradwege hier grundsätzlich keine „Auffahrt“ haben? Zero abgeflachte Bordsteine… I dont get it. 

Mein Hintern hat es zwischenzeitlich akzeptiert dass wir jetzt auf Tour sind und zickt nicht mehr rum.

Das braucht manchmal paar Tage aber dann ist alles gut.

Die Familie neben mir hat was sehr komisches bestellt. Besteht eigentlich nur aus Käse und dadrauf ein Spiegelei…. Okay. Die Franzosen killen mich mir ihrem essen. Generell mit allem. Bin froh wenn ich zurück in Belgien und Niederlande bin. Gut morgen ist der Plan dass ich mir direkt 3 Grenzen gebe… mal schauen wie das klappt. Zu viel Wind für zu viel Kilometer. 

Tag 2 – Köln bis Calais – 100km Budel bis Antwerpen

Natürlich bin ich nicht wirklich gesund…. Hab die NAcht geschwitzt wie ein Bieberbär…. Drissnass! Soweit gehts mir gut, aber irgendwas brühte ich aus. Bin auch immer wieder aufgewacht und hatte diesen trockenen husten. Hab Hustensaft dabei und auch so Tabletten. Die sind aber morgen leer. Aufm bike ist alles super aber sobald ich zur ruhe komme driss. 

Bin noch ein bisschen im Bett geblieben, hab mir nen Kaffee gemacht und etwas getrödelt. Es sollte erst ab 8 etwas wärmer werden. Naja wovon reden wir hier. Ob es jetzt 1 grad oder 3 sind ist wohl egal… hab übrigens vergessen ein Foto von der Unterkunft zu machen. Werde den Namen noch ergänzen im Beitrag.

Hab noch ne Schicht mehr angezogen und sehr schlau von mir die Merino unterzieh Handschuhe noch zu bestellen. Super sinnvoll sowohl für drunter, also auch wenn dann doch die sonne rauskommt im Alleingang. Ich Fuchs.

Habe heute mehrmals die imaginäre Grenze gequert. Interessiert aber niemanden. Einfach rollen lassen. Bin locker pedeliert, weil hab keine Eile und muss mich nicht auspowern… jaaaaaaa ich weiß das kennt man von mir nicht hahaha. Das erste Mal Aufsitzen ist morgens immer so ne Sache. Alles… wirklich alles schmerzt. Aber kurz eingegroovt ging es. Super schöne Route heute. Erst durch den NAtionalpark durch den Wald, toller Straßenbelag, wenig Menschen, viel Natur. Meine Zehen und Finger waren erst noch super dabei. Nach 20km fingen die Probleme an. Und warum bin ich so ein kackendoofes Kind, dass ich nicht schon in köln auf die Idee komme wärme Sohlen zu kaufen? Nööööö ist ja nicht so dramatisch. Ja aber hier gibt es sowas wohl nicht. Oder Zitat: nur im Winter… ok definiere dann bitte Frühling… ich find 3-6 Grad minus schon irgendwie sehr Winter. Außerdem: wenn ich kalte Fööss hab dann ist mir egal welche Jahreszeit wir haben. Im ersten „Dorf“ wo ich drauf hingefiebert hatte da in eine Drogerie zu gehen gab es keine Drogerie. Und Apotheke war auch überfordert. 20 km weiter auch kein Erfolg. Hab jetzt am Ziel noch mal einen Laden aufgesucht und einfach Schmerz-Wärmepflaster mitgenommen. Kommen morgen unter die Socken mal sehen ob das was kann. Frau ist erfinderisch in der Not. Hier lassen übrigens alle ihre Räder vor den Läden mit voll beladenen Taschen stehen. Hab ich mich dann auch einfach getraut. War ja nur kurz drin. Komischerweise hab ich in Dänemark niemals ein Problem damit da lasse ich alles vor der Tür stehen. Aber kein anderes Land ist so vertrauensvoll irgendwie. Die Belgier sind aber nah dran.

Neben den NAtionalparks war mein Highlight die Route am Kanal entlang. 20 km geradeaus mit der Sonne im Gesicht. Einfach nur schön. Die ganzen Rennrad und Gravelbiker die mich heut überholt haben rollen natürlich wesentlich einfacher daher. Interessant fand ich dass hier viele in Gruppen organisiert fahren und dann auch alle im gleichen Outfit unterwegs sind.

Kurzer Realtalk: Mein Hintern tut schon sehr weh. Ist ja so auch normal. Meist gewöhn ich mich an Tag 3 oder so dran. Muss erstmal bisschen abgehärtet werden. Normalerweise ist meine Devise aber auch mindestens 1000 Trainingskilometer fahren bevor man auf Tour geht. Ich denke auch dass ich das im Winter einfach nicht mehr machen werde. Hab das jetzt 2x gemacht und es ist ganz anders als im Sommer. Da ist alles viel leichter. Angefangen bei den Klamotten. Da hat man auch mal Regentage aber man friert einfach nicht permanent. Das frieren schwächt mich ungemein.

Ich hatte die Unterkunft heut blind gebucht und nur nach Preis und Ausstattung geschaut. Sah relativ zentral aus aber in so einer Stadt ist das relativ. Die letzten Straßen und Gassen durch die ich fuhr dachte ich ich wär im Ghetto untergekommen. Das Hotel wirkt auch wie so ein Stundenhotel. Ist es nicht aber komisch Gäste. War um 15:30 hier. Musste bis 16 Uhr warten bis die Rezeption besetzt war. Hatte eigentlich angekreuzt Doppelbett. Jetzt sind es zwei Einzelbetten. Die Steckdosen funktionieren nicht wirklich. Aber ich hab ne Pantryküche, nen Fernseher und nen Tisch. Ist in der Beschreibung ne Ferienwohnung… naja. Heißt Ambassador Suites Antwerp. Zweckmäßig aber keine Empfehlung.

Ich glaub das hier ist das Jüdische Viertel. Hab noch nie so viele Rabiner mit Schtreimel gesehen. Die liefen hier rund um das Hotel alle mit Kind und Kegel rum, ich dacht es wär Schabbat… Fands auf jeden Fall sehr interessant und musste an die Mini-Serie „Unorthodox“ denken. Wers nicht gesehen hat unbedingt mal anschauen. Vielleicht schau ich es gleich zum 4. Mal. 

Hab mir noch mal mein Rad geschnappt und bin Richtung Innenstadt nachdem ich es ergoogelt hatte wie weit es ist. Wollte eigentlich zu Fuß gehen aber das war zu weit. Bin ein bisschen durch die Einkaufspassage spaziert und wollte dann herausfinden wo ich einkehren möchte. Eine Brauerei wäre das Beste. Im Internet konnte man schon keine Plätze mehr reservieren also fuhr ich die 2km auf gut Glück und wurde nicht enttäuscht. Die Antwerpse Brouw Compagnie hat tolle Biersorten und wenn man ganz nett schaut hat man auch im überfülltesten Laden noch nen Platz frei. Zwei Bier mussten aber reichen obwohl mich noch mehr gereizt hätten. Aber der Rückweg von 4 km hat mich zur Vernunft überredet. Fahrrad war mir zu umständlich mit der Garage. Steht jetzt bei mir aufm Zimmer. Das lieb ich ja eh.

Kurz noch im Supermarkt Ingwershot und Co gekauft und mich dann endlich auf die Dusche gefreut. Die kannte allerdings genau so wenig Maß wie ich. Entweder kochend heiß oder erfrischend kühl. 

Im Supermarkt und generell ist es hier ja so eine Unart nur so 2 Sorten Bier kalt zu haben. Am der Tanke gibt es gar kein Alkohol. Eben hab ich am Bahnhof Schilder gesehen dass da Alkohol Konsum verboten wäre… Ja aber was machen die denn mit dem ganzen Zeug was da in den Regalen steht?

Tag 1: Kölle bis Calais. 120 km – Köln -> Budel

Hooray was ein Tourstart. Das hab ich in all den Jahren auch noch nie erlebt. Ausgebremst bevor es überhaupt los ging.

Wer meine Story verfolgt hat weiß, dass ich extra noch im Radladen war weil ich dachte das Ventil wäre fritte. War es nicht. Alles aufgepumpt und wieder noh Huss. Heut morgen bin ich für meine Verhältnisse früh aufgestanden. Auch weil ich die Panik der letzten Tour im Nacken hatte und nicht zu spät los wollte. Hab noch 3x mein Outfit angepasst, nen Espresso getrunken und bin dann runter. Diverse Nachbarn haben mich noch angesprochen und ne gute Tour gewünscht. Ich Steig auf und denk so: hä warum rollt das so sch…. Tja was soll ich sagen, ich kam bis zum Ring, also circa 500m bis ich feststellte, dass mein Vorderreifen keine Luft mehr hatte.

Um 8:15 Uhr so ne Sache. Aber ich hab kurz an meiner NAse gerieben und dachte mir hey ich ruf den Spüli an. Weil wofür sind denn Freunde da. Ich fuhr ja eh über die Venloerstr. Also hab ich kurz noch mal Luft reingepumpt und bin los. Hat gehalten. Wir dachten immer noch beide es wäre das Ventil. Alles festgeschraubt und neue Luft rein, runde gefahren, Luft wieder raus. Da ich einen Ersatz Schlauch dabei hatte war Spüli dann so nett und hat seinen Termin schnell ne halbe stunde verschoben und den Reifenwechsel in einem Blitz-Pitstopp durchgeführt. Hätte ich nen halben Tag für gebraucht. Und was finden wir da? Nen Riesen-Dorn! Na Prima. Alles gewechselt und dann konnte ich mit immer noch skeptischen Gefühl endlich richtig los. DANKE SPÜLI!!!

Wetter war kalt aber wenn die Sonne rauskam war es super. Ich hab eigentlich das perfekte Outfit an, aber je nach Bewegungsaufwand und Wetter schwitzt man halt extrem oder man friert. Meine Füße waren die gesamte Strecke eisklumpen. Ich hab mich aber mega gefreut als bei Pulheim die Sonne rauskam. Erinnerungen an 2023 hingen den ganzen Tag wie Blei an mir. Wenn es heute geregnet hätte, hätte ich es bestimmt nicht gepackt. Warum fahr ich eigentlich komplett untrainiert los? Mein Ehrgeiz ist einfach immer Stärker als jeder Verstand. 

Die Strecke bin ich schon ein paar mal so ähnlich gefahren. Und diese „Steigung“ ist immer je nach Wetter driss. Über diese ganzen Felder ist halt daher anstrengend, weil da der Wind drückt. Aber ich habs gerockt.

Richtig schön wurde die Strecke ab dem Kreis Heinsberg. Immer noch ein Komischer Ort weil man es jetzt immer mit Corona in Verbindung bringt. Eine schöne Strecke durch den Wald mündete in einer Seenlandschaft. Sehr zu empfehlen. 

Kurz danach erfolgt bei mir der Druckabfall. Wer schon öfter mit mir mit gereist ist und meine Berichte verfolgt weiß, dass ich das hier mache um mal komplett runter zu fahren. Abzuschalten und den Kopf für neue Kreativität frei zu bekommen. Es braucht meist 70km bis der Zustand der höchsten Emotionalität erreicht ist. Dann öffnen sich die Schleusen und ich heule ein paar Kilometer. Aus verschiedensten Gründen – Freude, Dankbarkeit, Enttäuschung, Vermissung, Vorfreude… alles was ich die letzten Wochen runtergeschluckt oder so einfach akzeptiert habe kommt dann raus. Genauso wie die Dankbarkeit dafür das alles so machen zu dürfen. Ja ich bin emotional, das macht mich aus und es ist gut so. Jetzt ist aber auch erstmal gut. 

Die letzten 30km waren sehr heftig. Bin langsam gefahren. Der Wind mit einigen kleinen Hügelchen hat mich gekillt. Mein Hintern tat weh. Beine waren relativ fit aber. Und ich weiß nicht wie oft ich gegähnt hab zwischendurch. Die Session hat mich nachhaltig zerstört. In allen Belangen.

Hab hier und da Pause gemacht, was gegessen und getrunken. Leider war die Sonne nicht so oft da um zu wärmen. Mir war wirklich extremst kalt. Wollte aber auch nicht in einer der seltenen Tankstellen um mich zu wärmen, das hätte nur unnötig aufgehalten. 

Aber hey ich habs geschafft. Und 1km vorm Ziel war ein Fahrradladen da hab ich noch schnell nen neuen Ersatzschlauch gekauft, ich kluges Kind. Kam ein Mann der mein Bike bewunderte und fragte wohin es geht und von wo. Ich ihm alles erzählt. Sagt er ah schön und dann 3 Wochen? Hab kurz in mich hineingelacht. Chuck Norris macht es in 10 Tagen, Drewke natürlich in 9 – BOOM! Also we will see… noch bin ich ja nicht am Ziel.

Hotel ist privat. Hab meine eigene Etage. Sehr nette Besitzerin. Hat mir alles gezeigt und ich kann mich frei bewegen. Hab gesagt ich fahre noch in den Ort um was zu essen und sitze jetzt in dem Restaurant was sie empfohlen hat. „De Bonte Os“. Nicht viel los, aber es gibt eine Bierkarte… mehr braucht es nicht um mich zu überzeugen. War vorher noch Kurz im Supermakrt und muss mich da immer beherrschen nicht zu viel zu kaufen. Das Bierregal ist kriminell gut, ich liebe die Kekse und Bumsbrötchen, ich liebe die Joghurts, ich liebe alles an diesen Supermärkten.

Zu essen gab es ne Suppe und ne Portion Pommes mit Trüffel und Käse. Ich platze aber ich muss laden damit ich morgen die Tour packe. 

Hier noch meine Bierbewertung:

KWAREMONT 6,6 % Pittig blond Steigung Radfahrer Bier 6/10

Blonden Os 6,5 Exclusief Bier 9,5/10

Budels Goud blond 6% Local Bier Kölsch Type (Feier ich) Bisschen bitter nur ne 5/10

Ja ich trinke Bier… viel Bier… wenn auf Radtour, dann auch Biertasting everywhere, Kinners.

Was ich auch liebe: Die haben für jedes der 30 Biere spezial Gläser und die spülen die jedes mal vor dem Servieren. Super Profis. Hab ich mal gesehen dass so spezialbrauerein auch immer noch mal Wasser durchlaufen lassen weil es dann anders schmeckt oder so.

Hach… alles richtig gemacht. Jetzt duschen,Bilder ladenund noch ein Reel schneiden. Ich muss ganz ehrlich sagen dass diese ganze Technik und die Möglichkeit alles überall zu kommunizieren mich auf tour stresst. Mal schauen wie ich das weiter durchziehe.

Los it goes!

Mal kurz met däm Rad erus…
Bereit für 9 Tage Abenteuer!
Köln – Niederlande – Belgien – Frankreich – Köln
940Km allein allein. Vera D ist auf der Reise und hat hoffentlich diesmal ein bisschen Rückenwind.
Folgt mir auf @drewkes_bikelights und abonniert meinen Blog https://drewkesbikelights.blog
Wer schon mal dabei war, weiß „Normal“ ist nur ein Waschprogramm und gewaschen wird auf meinen Touren wirklich selten.
Diesmal komplett neue Route, natürlich BIS ANS MEER und Retour. Wish me luck und stahlharte Speckbeinchen. Ich starte untrainiert nach einer monsterlangen Session, immer noch mööd und erschöpft, ävver nütz jo nix.
Erste Etappe bis zur belgischen Grenze gut 120km. Lets go! Eure Motivation ist stärker als jeder Schweinehund 🫶🏻💪🏻