Tag 2 – von Maintenon nach Le Theil

98,2km

Das Bett in dem Hotel war so hart dass schlafen nur deshalb funktioniert hat, weil ich todesmüde war. Bin dafür etwas länger liegen geblieben und hab meinen Plan um 7 loszufahren über den Haufen geworfen. Allerdings war ich komplett zerstochen als ich aufstand und es sieht verdächtig nach Bettwanzen aus. Hatte nicht den Anschein dass sowas hier sein könnte aber naja. Hoffe es ist jetzt nicht in meinem Schlafshirt sonst muss ich das entsorgen.

Hab mir selbst erklärt wie die Kaffeemaschine funktioniert und mir noch nen Kaffee gegönnt. Alles eingepackt und ohne zu stürzen die Treppe wieder runter. Wobei es fast schief gegangen wäre. Mein iPhone meinte hey es ist aktuell 10 grad. Dacht ich prima da ziehen wir wohl die Jacke an. Allerdings fand ich es gar nicht so kalt und bin ohne direkt gefahren. Bei dem Wind und den Steigungen war mir tatsächlich auch schnell sehr warm. Bin erst um 8:20 Uhr los. War ok. 

Ich mag sehr diese grünen Wege hier. Abschnitte für Fahrradfahrer und Fußgänger um einen grünen Bogen um oder durch die Stadt zu machen. Ich bin größtenteils über die Velo 40 gefahren. Da gab es gestern auch schon Brombeeren und Blaubeeren. Hab mich aber nicht getraut welche zu pflücken. Weil wenn doch keine essbaren Beeren sind hab ich ein Problem. 

Im übrigen bin ich hier oft froh nen Helm zu tragen. Hab ihn bis jetzt auch noch nicht ausgezogen auf der Fahrt – trotz schwitz. 

Chartres fand ich nen netten Ort, den hätte ich mir gern näher angeschaut. Aber da ich nicht wusste wie meine Beine das heute mit der konstanten Steigung über 30 km hinbekommen bin ich lieber mal weiter. Auf jedenfall haben die nen Dom und die Menschen sind nett und hilfsbereit. Generell wenn ich irgendwo ein Selfie mache kommt irgendwer um die Ecke und fragt ob er ein Foto von mir machen soll. Ich frag mich allerdings mittlerweile warum mich überall auf der Welt die Leute nach dem Weg fragen. Seh ich aus als wüsste ich Wege?

Die Hauptsteigung war gar nicht so schlimm wie angenommen. Weil sie sich eben langsam aufgebaut hat. Hab’s ganz easy geschafft, aber auch nur weil ich alles an Getränken und Riegeln und Äpfeln verputz hab. Nach der Steigung kam ne Abfahrt. Ich wusste aber dass später noch ne kleine Steigung kommt, die war weniger easy. Hab schon bisschen gekämpft, aber die Abfahrten mit 40 km/h find ich geil. Alte Radfahrerweissheit : wo es runter geht, geht es auch wieder rauf. Ich hasse so Abfahrten wo ich weiß dass sie in ein Tal gehen. Dann geht es direkt darauf wieder rauf. 

Im übrigen tat mein arsch beim aufsitzen heut früh null weh. Fand ich seltsam. Aber scheinbar ist die Hose mit der Salbe in Kombi diesmal richtig gut. Oder mein Esch ist einfach abgehärtet. 

So wie gestern auch gibt es auf der ganzen Strecke Schlösser und Burgen. Hab 20 km vorm Ziel noch an einem angehalten weil ich das scheinbar extra eingebucht hatte in die Tour. 

Muss ich irgendwie immer an ronja Räuber Tochter denken wenn es ein bisschen Ruinen Charakter hat. 

Mein Komoot meinte ich soll danach Steintreppen runter. Ist klar. War ungefähr 500m Treppe, steil runter. Dachte mir das umfahren macht keinen Sinn. Also runter da.

Der Ort meiner Unterkunft scheint auf den ersten Blick sehr nett. Allerdings ist hier der Hund begraben. Wo ich das gerade schreibe tauchen tatsächlich deutsche auf. Wa wollen die hier? Definitiv kein Urlaubsort. Höchstens zur Durchreise geeignet. Die Dame vom Hotel spricht weder deutsch noch englisch und versteht noch nicht mal das Wort Cash. Außerdem gibt es zwar ein Restaurant und Bar aber hat heut nicht auf. Prima. In diesem Ort gibt es gar keine Alternativen. Sitze jetzt bei Pizza King und konsumiere Fast Food. Aus dem Grund bin ich nach Frankreich gefahren…. Nicht.

Richtig geil, war ich oben aufm Zimmer, pack die Tasche aus und sehe, dass das Bier das ich gestern gekauft und nicht getrunken hatte, ausgelaufen ist. Musste ich erst mal alles waschen und in die Sonne legen. 

Bin dann zum Mini Kaufmann nebenan, hab mir Bier und Salzstangen als Nachmittags Snack geholt und erstmal alle Medien geladen. Hier gibt es noch nicht mal ein Café oder irgendwas um sich mal hinzusetzen. Ne Bank tut es auch. 

Hab im Supermarché noch was gekauft und jetzt eben Pizza King. Hier ist komplett der Hund begraben. Aber immerhin, es gibt n Kino und eben war wohl ne stadtführung mit Senioren, Musik und Kostümen. Ansonsten nix. Niente. Was Michi m meisten nervt heute: so wie gestern gibt es kein regionales Bier vom Fass für mich heut. 

Auf jedenfall geh ich heute noch früher ins Bett. Bin komplett im arsch. Morgen die Etappe ist auch eher ein Zwischenetappe ohne interessantes Ziel. Ich hoffe der Ort ist besser. Danach ist eigentlich fast jeder Tag mit coolen Zielen. Übermorgen endlich Nantes. 

Dacht eben mein Fahrrad wäre geklaut. Hab’s nicht angekettet – weil wer soll hier bitte was stehlen? Hier kommste direkt unter die Guillotine weil hier jeder jeden kennt. Jedenfalls hatte jemand das Bild unter die Schirme getragen… als ob Regen angesagt wäre. Naja aber wenn das klappt dann auch alles weitere. Hab’s dann noch an den Schirm geschlossen. Sicher ist sicher.

Nach dem duschen juckt alles noch mal viel mehr. Wollt mir eigentlich in der App was holen. Irgendwas mit Cortison. Dann eben morgen.

Tag 5 – Köln bis Calais/ 78km Fort Grand Philippe bis Dunkirque

Irgendwie ist ja immer an einer Stelle der Wurm drin. Angefangen damit dass der Ort komplett ausgestorben war und es kein frisch gezapftes Bier für mich gab… dann Abends noch die Hiobsbotschaft: Bindehautentzündung… Wenn die scheisse aus meinen Augen quillt ist es nicht gut. Hatte ich zuletzt im Dezember und deshalb hab ich mich gefeiert, dass ich die Antibiotika Tropfen eingepackt hatte. Bin um 23 Uhr schlafen gegangen ohne Film oder Serie, nix mehr. Ruhe für die Augen und die Seele. 

X Mal die Nacht aufgewacht wegen Husten. Hab irgendwann Paracodin Tropfen genommen weils nicht anders ging. Geschwitzt ohne Ende. Aber die Tropfen scheinen zu helfen. Morgens musste ich erstmal alles in Schuss bringen in der Wohnung. Müll zusammen suchen der weggebracht werden musste, alles einpacken, fertig machen. Das Haus ist irgendwie automatisch gesteuert. Die Heizungen gehen zu einer bestimmten Zeit an und aus. Im Bad war die Heizung einfach konsequent kalt. Wer macht denn sowas? 

Ich hatte bisschen Respekt davor heut loszufahren. Augen soweit ok aber nicht perfekt. Der Wind war heftig gemeldet. Aber die Richtung Calais war noch einigermaßen entspannt. Natürlich standen da angekommen nicht mehr diese bunten Fahrräder wie sie mir bei Komoot angezeigt wurden. Das hätte ein schönes Bild gegeben. Vermutlich nur für Olympia. Da sah man noch einiges was darauf hindeutete. Hab ich ja gesuchtet. Wäre gern auch irgendwo hingefahren um es mir live anzuschauen. 

Jedenfalls dacht ich mir ich fahr nicht noch die Route am Stand lang sondern spar mir die Kilometer weil ich ja weil dass der wind in die andere Richtung noch extremst anstrengend wird. Also bin ich nur kurz zum Strand bzw. zur Leuchtturm Brücke und dacht ich spinn. Läuft da ein gigantöser Dinosaurier wo Touristen drauf platz nehmen können. Hä!? Aus dem nix erschienen und 5 Minuten später war er wieder verschwunden. Macht keinen Sinn, aber Leute scheinen dafür Geld auszugeben. 

Ich fand Calais sehr schön, irgendwie englisch Style. Aber es war wieder mal zu kalt für alles. Stand immer im krassesten Wind. 

Während ich ich das hier schreibe bin ich sehr glücklich dass ich in Brügge einen Hoddie gekauft habe. Hab heut so viel geschwitzt hätte niemals in meinen Bike Klamotten losziehen können.

Übrigens, die Problematik mit dem Ort gestern. Glaub hab ich nicht geschrieben. Der Canot fährt erst ab April wieder. Glaub hier ist generell alles noch im Winterschlaf. Überall. Wäre unheimlich gern übergesetzt. aber naja. Couscous und Bier war auch ok.

Also nach Calais hab ich die Route kurzerhand umgeplant und bin die Route gefahren die als Radweg deklariert war. War ganz nice.Aber mein Komoot Navi hat’s nicht gecheckt. Musste neu starten, die alte Bitch. Zurück bin ich aber wie geplant näher am Meer vorbei. War ein Fehler, weil komplette Schotterstraße mit Löchern drin. Musste einfach alle paar Zentimeter ausweichen. Schneller wäre gegen den Wind aber auf der Hauptstraße gewesen.  Den Rest der Strecke hatte ich auch umgeplant. Wollte nicht wieder über die Schnellstraße und an den Zelten vorbei. Bin dem offiziellen Radweg gefolgt. Bei dem Wind war eh alles egal. Hat aber gepasst. 

Hätte mir im Hotel ne Badewanne und ne Bar gewünscht. Leider weder noch. Naja. Der Typ an der Rezeption war interessant. Buntes Haargummi Nagellack und sehr kommunikativ. Mein Bike durfte in einen leeren Saal. Ist ja ein Kongresshotel. Bar gibts wohl nicht aber egal. Bin dann kurz zum Supermarkt wurde 3x angelagert auf dem weg dahin. Hab nur Wasser un Kekse gekauft. Bier wie immer nicht gekühlt. Dann in ne Bar, aber die macht erst um 18 Uhr auf. Hab in der Sonne vor der Tür gewartet. Erste drin heiß erstes Bier. War aber selfservice musste ich erst lernen. Toller Laden. 15 Bier vom Fass. Studentenviertel. Hab 3 Bier getrunken und ne Bol de Frommage. Haben die mir hier direkt nen Selleriesalz Streuer zu angeboten. Okay… gute Biere, aber direkt too much. Warum fragt hier jeder „Are your sure“? Wenn ich Trinkgeld geben möchte? Ihr macht nen guten Service also gebe ich Trinkegeld… where is The Problem?

Kurz ins Hotel die Einkäufe wegbringen und wieder los. Hätte mir ja ne Badewanne gewünscht  aber naja…

Hab einen Tisch in einem Restaurant gebucht. Mach mich jetzt auf den Weg.

Übrigens sehr auffällig: Seit Tagen finde ich Gendarmerie und Militär hier sehr präsent. Was ist da los?   Die stehen an jeder Ecke…. Einerseits beruhigend andererseits beängstigend.

Hab einen Tisch im Restaurant „Le Protocolle“ nebenan gebucht. Kann den Laden nicht einordnen. Einerseits Fine Dining andererseits Sportsbar. Wollte eigentlich Crevetten und Austern bestellen aber hab mich im letzen Moment dagegen entschieden. Bin jedenfalls nicht die einzige die hier alleine sitzt. 

Was ne absolute Unart der Franzosen ist: Stilles Wasser. wer trinkt sowas freiwillig? Und generell sind die hier super unfreundlich zu Fahrradfahrern und generell. Ich bin gern in Südfrankreich aber hier ist irgendwie Eiseskälte gegenüber Touristen. How can this be? 

Jedenfalls hab ich in meinem Zimmer eine Extra Tür die verschlossen ist. Denke mal ich bin im Eltern Zimmer und könnte aufschließen für die Kindern. 

Übrigens: was soll das eigentlich dass Fahrradwege hier grundsätzlich keine „Auffahrt“ haben? Zero abgeflachte Bordsteine… I dont get it. 

Mein Hintern hat es zwischenzeitlich akzeptiert dass wir jetzt auf Tour sind und zickt nicht mehr rum.

Das braucht manchmal paar Tage aber dann ist alles gut.

Die Familie neben mir hat was sehr komisches bestellt. Besteht eigentlich nur aus Käse und dadrauf ein Spiegelei…. Okay. Die Franzosen killen mich mir ihrem essen. Generell mit allem. Bin froh wenn ich zurück in Belgien und Niederlande bin. Gut morgen ist der Plan dass ich mir direkt 3 Grenzen gebe… mal schauen wie das klappt. Zu viel Wind für zu viel Kilometer. 

Ich jläuv et jeiht alt widder loss…

Auf in den Norden heißt es 2016! Yeeaahaaaa!!!
#NordishBikelife rund um die Meere!

HAMBURG – DÄNEMARK – SCHWEDEN – DÄNEMARK – FEHMARN – LÜBECK – HAMBURG –> Thats the way I like it!

Hier schon mal die Route für alle die mir gerne wieder folgen möchten… soviel vorab: et jit vill ze sinn 😀

Here we go again…

TAG 1 – 31.07.2016 – 119KM gesamt

Anreise HAMBURG
KÖLN 06:09 – HAMBURG 10:13 Uhr Wg. 5, Pl. 55, 141 Großraum, 1 Fahrrad
HAMBURG – Jugendherberge Heide, Poststr. 4, 25746 Heide
—> 119 KM

TAG 2 – 01.08.2016 – 219 KM gesamt
HEIDE – HUSUM – Reiterhof Wollesen (Osterstr. 3, 25923 Süderlügum)
—> 100 KM

TAG 3 – 02.08.2016 – 317KM gesamt
SÜDERLÜGUM – ESBJERG
COCO Bed & Breakfast, Andrup Byvej 67, 6705 Esbjerg, DK
—> 98KM

TAG 4 – 03.08.2016 – 382 KM gesamt
ESBJERG – VARDE – OKSBOL – BLAAVAND – OSKOL
DANSHOSTEL BLAAVANDSHUK, Strandvejen 1, 6840 Oksbol, DK
—> 66 KM

TAG 5 – 04.08.2016 – 408 KM gesamt
OKSBOL – HENNE – NYMINDEGAB
LINDVIG FERIE- og KURSUSCENTER – DANHOSTEL NYMINDEGAB, Vesterhavsvej 150, 6830 Nymindegab, DK
—> 25 KM

TAG 6 – 05.08.2016 – 458 KM gesamt
NAMINDEGAB – HVIDE SANDE – RINGKÖBING
DANHOTEL RINGKÖBING, Kirkevej 28, 6950 Ringkøbing, DK
—> 50KM

TAG 7 – 06.08.2016 – 530KM gesamt
RINGKÖBING – PAARUP
PAARUP KRO, Ringkøbingvej 1, 7442 Engesvang, DK
—> 70KM

TAG 8 – 07.08.2016 – 590KM gesamt
PAARUP – ARHUS
HOTEL LA TOUR, Randersvej 139, 8200 Arhus, DK
—> 60 KM

TAG 9 – 08.08.2016 – 731KM gesamt
ARHUS – HOLLÖSE
MIDTGOLF BED AND KITCHEN, Ringstedevej 194, 4300 Hollöse, DK
—> 50KM + Fährüberfahrt

TAG 10 – 09.08.2016 – 797KM gesamt
HELLÖSE – KOPENHAGEN
CABINN METRO, Arne Jacobsen Allé 2, 2300 Kopenhagen, DK
—> 65KM

TAG 11 – 10.08.2016 – 884KM gesamt
KOPENHAGEN – MALMÖ
COMFORT HOTEL MALMÖ, Carlsgatan 10C, Norr, 21120 Malmö, SE
—> 55KM + Fährüberfahrt

TAG 12 – 11.08.2016 – 965KM gesamt
MALMÖ –  KOPENHAGEN
CABIN CITY, Mitchelsgade 14, 1568 Kopenhagen, DK
—> 55KM +Fährüberfahrt

TAG 13 – 12.08.2016 – 1.035KM gesamt
DANHOSTEL FAXE, Østervej 4, 4640 Faxe,Dänemark
—> 70KM

TAG 14 – 13.08.2016 – 1.149KM gesamt
FAXE – FEHMARN
Hotel Dania, Fährhafenstr. 1, 237696 Puttgarden, Deutschland
—> 85KM + Fährüberfahrt

TAG 15 – 14.08.2016 – 1236KM gesamt
FEHMARN – LÜBECK
Centro Hotel Kaiserhof Deluxe ****, Kronsforder Allee 11-13, 23560 Lübeck, D
—> 99KM

TAG 16 – 15.08.2016 – 1304KM gesamt
LÜBECK – HAMBURG – FINALE ohoh
Hotel Polo am ZOB, Adenauersallee 7, St. Georg, 20097 Hamburg, D
—> 70KM End-Etappe

TAG 17 – 16.08.2016 – Back home whoohoo
HAMBURG – LEVERKUSEN – KÖLLE
Abfahrt: 14:40 Uhr – Hamburg (ZOB am Hbf)
Ankunft: 21:55 Uhr – Köln Nord / Leverkusen (Bf. Mitte)
Gesamtdauer: 7:15 Stunden