Tag 14 : FINALE VON Lery bis Paris (121+7km)

Die wetterprognose war alles andere als gut für den Tag. Aber es gab die kleine Chance dass ich einfach schneller fahre als die Regenfront. Einzige Bedingung morgens nicht den Zug zu nehmen war, dass es beim aufstehen nicht schon regnet. 

Da ich mir für 17 Uhr das Bier Spa gebucht hatte, war mein zeitlicher Rahmen gesteckt. 

Hab erstmal gefrühstückt mit der netten Wandersfrau. Die Vermieterin ist wirklich sehr herzlich gewesen. Zum Frühstück gab es extra Apfelsaft und Käse aus der Normandie und eine Art Joghurt der selbstgemacht schien. War sehr unruhig weil ich dann dachte ok ich kann nicht länger frühstücken ich muss los. Gesagt getan. Diesmal Ultra motiviert weil ich wusste was das Tagesziel ist.

Beim losfahren war es trocken kurz darauf niesel. Bin erstmal 10km gefahren dann hab ich aber nix mehr durch das helmvisier gesehen und dachte zieh doch mal die Jacke an, scheint was mehr zu werden. Auf dem Radar jedoch gar nix zu sehen. 

Kurz darauf wurde es wieder heller also Jacke wieder aus. Ich hab natürlich immer den Himmel beobachtet und dacht mir ist nur ne Frage der zeit bis das große Regengebiet reinbricht. Das wäre katastrophal geworden weil es hier nicht soviel Bahnhöfe unterwegs gab. Irgendwann kam nochmal nekleine Schauer aber da wusste ich dass das nicht viel gibt. Also noch mal kurz Jacke an. 

Hab keine Pause gemacht. Nur mal kurz Getränke gekauft. Unterwegs fiel mir auf, dass ich durch den Ort vom Monet Haus fahre (Giverny). Freunde hatten mir berichtet dass es da total überlaufen sein soll also gedanklich schon direkt abgehakt da mir der Regen im Nacken saß und ich keine zeit in Warteschlangen vergeuden wollte. War irgendwann mittags da als schon touri Ströme aufliefen. Schade nicht realisiert vorher sonst hätte ich vielleicht noch nen stop eingebaut, weil bestimmt interessant. 

Ging heute viel über voie verte – die grünen Radwege wo es sich entspannt fahren lässt. 

Ein paar mal meinte Komoot ich soll dem Weg 9km folgen und dann sprach es erstmal nicht mehr mit mir. Sonst an jedem stein und hier ne lass einfach mal dem Straßenverlauf folgen. 

Ich war sehr gut drauf. Noch besser als die Sonne rauskam und mich bis Paris begleitet hat. Meine Motivation war die ganze zeit dass ich mich bei Ankunft nur ins spa legen muss und danach im Bus direkt pennen kann. 

Bis man mal in Paris drin ist dauert. Über Saint Germain bin ich rein und dachte die ganze zeit es liegt doch schon vor dir wo bleibt das Ortsschild. Waren aber erstmal alles Vororte. Als die Wolkenkratzer begannen, häuften sich auch die Baustellen. In eine riesige musste ich rein und durch einen seltsamen Tunnel. Komoot hatte kurz die Orientierung verloren und ich dann auch, weil gab zich Ausgänge aber keiner führte weiter auf der Straße. 

Vor dem Ortschild fuhr ein Mann an mir vorbei, drehte sich noch mal um zeigte mir ein Peace Zeichen und wünschte Bon Voyage – Zack lächeln im Gesicht. Er wusste ja nicht dass meine voyage bereits sehr Bon und gleich zuende ist. 

Dann kam das Ortsschild PARIS! War kurz bisschen sehr emotional. Weil ich es einfach durchgezogen und geschafft hatte. Nicht nur vor dem Regen davon zu fahren und pünktlich anzukommen, sondern die ganze Tour halt zu schaffen ohne Komplikationen oder Aussetzer wo alle meinten hui hui hui aber Frankreich ist nicht so flach wie Dänemark oder Holland nimm dir nicht zu viel vor. BÄMS!

Dann ging es natürlich über die Champs E‘Élysée zum Arc de Triumph. Und diesmal war ich dort nicht allein haha. Menschenmassen. Mir war gar nicht klar was für ein besonderer Moment das am anreisetag so ganz allein auf dem Platz war. Noch schnell Triumph Fotos gemacht und dann weiter zum Bierspa bei strahlendem Sonnenschein.

Ich hatte den ganzen Raum für mich allein mit 7 Bierzapfhähnen. Ne Sauna gab es auch aber die ist nur im Winter in Betrieb wohl. Hab ich nicht verstanden hätte ich gern genutzt. Man badet im sprudelnden Zuber der einen Sud mit Hopfen, Malz und Gerste enthält. Danach hing der ganze Seiber in meinem Badeanzug 😜 hatte 90 Min gebucht. Das hat auch gereicht um mich ordentlich volllaufen zu lassen. Als ich raus kam regnete es in Strömen. Hab erst mal abgewartet. Als es weniger wurde bin ich ein Stück gefahren. Nachher wurde es wieder mehr und ich hab mich an ner Haltestelle noch mal untergestellt. Im Nachhinein betrachtet war ich voll wie 8 Haubitzen und hab keinen Plan wie ich den Weg zum Bus finden konnte. Kein Wunder bei der ganzen Anstrengung und vor lauter Aufregung nicht genug gegessen. Da reichten ein paar Tropfen Bier. Durch den Regen hab ich mir jedenfalls Nix mehr angeschaut in Paris. Kam sicke nass am Busbahnhof an. Waren noch mal 7 km extra. 

Normalerweise tut mir echt jedes aufsteigen weh. Bei dieser Tour NULL Schmerzen im Gesäß. Zero!

Musste noch ne Stunde da warten. Und dann meinte der Fahrer ne die Reifen sind zu dick können wir nicht mitnehmen. Er war aber sehr nett und hat es dann hinten in den Kofferraum verfrachtet. Da ich vermutlich eh mal wieder alles kaputt gefahren hatte hielt sich meine Panik in Grenzen dass da was kaputt gehen könnte. Er war auch wirklich vorsichtig soweit das möglich war. Im Bus konnte ich sogar etwas schlafen weil niemand neben mir saß und ich mich ausbreiten konnte. Pünktlich wieder in köln und sogar noch die erste s-Bahn bekommen, sodass ich um viertel vor 6 am Bahnhof ausgestiegen bin. Hab nen Spaziergang durch die leere Stadt gemacht statt die letzten Meter zu fahren. Tat ganz gut nach ner platt gesessenen Nacht. 

Das wars dann erstmal mit Tourberichten. Schade eigentlich. 

Das war’s – Abschlussbericht

(Tag 14 folgt nachher noch ist nicht vergessen, weil auch interessant)

Das war sie – C’est la fin du Tour de France – eigentlich auch ne Tour Eifel weil hier war ja Start und Ziel (wat ein Wortwitz, ich weiß). 

Endlich mal wieder ne 2 Wochen Tour. Hab ich mir gefühlt ewig schon nicht mehr erlaubt. 

Frankreich schwirte mir schon so lange im Kopf, also sollte es jetzt so sein. 

Aus eigenem Antrieb Ziele erreichen ist mein Mantra. Ich kann alles schaffen wenn ich es mir nur fest genug vornehme. Und für mich die wohl schönste und entschleunigenste Form zu reisen. 

Unzählige Örtchen, viele grüne Wege, tolle Landschaften, geiles Meer, nette Menschen, viele Berge ohne Tunnels 😜. Teilweise ging’s einfach senkrecht hoch. Menschen mit Rennrädern und ohne Gepäck würden lachen, dass ich das überhaupt Steigung nenne. Aber  die sollen sich erst mal auf mein gepacktes bike setzen und das nachmachen. Normalerweise sind Tagesetappen über 100km auch normal auf Tour, hier machte es das hoch und runter etwas schwer zu kalkulieren wie viel gehen würde pro Tag. Aber ich hab jeden einzelnen gerockt ohne Bus und Bahn. Teilweise komplett zerstochen, übermüdet und bei 39 grad durch die pralle Sonne. Klingt komisch, war aber geil.

Ach ja und was ich noch gar nicht erwähnt hatte: mein Bikeshop hatte mir einen Tag vor Abreise gesagt mein schaltauge sei verzogen. Wäre ne sollbruchstelle und könne mitten in der Pampa wegbrechen. Ich soll lieber Ersatz mitnehmen. Schaltauge what? Gab es so kurzfristig natürlich nicht. Und bei dem vielen schalten bei Aufstieg dacht ich jedes Mal: gleich bricht es weg und dann steh ich hier. Hätt ävver joot jejange. 

 

Was ich bisschen schade fand war, dass in so vielen Orten alles verlassen war. Über den Sommer fliehen alle. Wohl auch durch die Brände teilweise bedingt, von denen ich nix mitbekommen habe. Aber wenn ein Ort weder Gastro noch Lebensmittel Laden geöffnet hat oder überhaupt keine besitzt dann ist es für mich immer anstrengend noch Futter nach dem Tag aufzutreiben, was mich schnell mürrisch stimmt. Google sagt einem auch nicht alles in der Hinsicht, wenn keine Aktualisierung erfolgt. Sonntage sind komplett tot, wenn man nicht gerade in Paris ist.

Wenn es mal nen supermarxhé gab, hatten die da la Rue die Ruh. Wenn man sich in Geduld üben möchte geht man in einen französischen Laden. 

So viele Schlösser und Burgen aber keine einzige Prinzessin auf dem Weg gesehen. Beeindruckende Bauten und Anwesen. Teilweise richtig imposant. 

Was es überall gibt sind „voie verte“. Die Grüngürtel für Radfahrer und Fußgänger. Fand ich super. Hat mich aber auch oft an der Stadt vorbei geleitet wo ich eigentlich dachte könnt ich mal schön durchfahren. 

Mein Highlight war der Tag rund um Mont Saint Michel. Stand schon immer auf meiner Bucketlist und wenn dann auch noch Colorama zufällig stattfindet dann ist Frau Drewke komplett verzaubert. Schon die Tour dahin war super schön mit der kleinen Austern Bar auf dem Weg, tolles Wetter, schöne Strecke. Würd ich noch mal so fahren. Und ja es ist viel Gewusel, aber um 18 Uhr kommen und dann in die abendliche Sonderöffnung gehen war ein Glücksfall sondergleichen. Falls jemand weiß wo ich die Musik davon herbekomme bitte melden. Das ganze mal live vor sich zu sehen war schon so wow! Auch aus der Ferne gab es immer Blicke darauf und je näher man kam desto imposanter wurde es. Allein schon das Spiel mit Ebbe und Flut. Drum herum war genial. 

Alles in allem bin ich gut durchgekommen. Mein kleiner Verbucher vom Rückreise Bus war kein Drama. Hat generell auch super funktioniert mit FlixBus.

Meine Finger sind stellenweise bisschen taub, trotz richtigem Sitz und Griffe. Hatte ich aber schon viel extremer. Meine Knie werden sich in 2 Tagen von der Dauerbelastung erholt haben und mein Nacken wird gleich schön massiert dann ist das auch kein Problem mehr. 

4-5kg hab ich verloren. Kein Wunder. Länger hätt ich aber nicht fahren dürfen. 

Was schade war, war der Sturzregen zum Abschluss. Aber auch das war zu verkraften, weil ich ja vorher mein Bier Spa Happening hatte und so nicht nur betrunken vor Glück im Regen durch Paris bin wo ne Stunde vorher noch krasser Sonnenschein war. 

Ich bin dankbar das alles so machen zu können. Meine Abenteuer Speicher sind jetzt erstmal wieder aufgefüllt. Vermutlich plane ich aber morgen schon das nächste wie wir mich kennen. 

Zuletzt gilt mein Dank allen Follower und Pusher unterwegs. Ohne euch wär’s manchmal hart und einsam geworden. Wenn unterwegs ein „Du schaffst das“ kam gingen direkt meine Mundwinkel hoch und meine Beine haben 3 Watt mehr getreten. Merci