Natürlich hatte ich gestern zu wenig Wasser gekauft und diese Nacht schon früh alles leergetrunken. Das Schwitzen hört natürlich nicht auf, daher auch mega Durst. War super müde und hab nachdem ich alle berichte fertig hatte einfach eingepennt.

Bin wieder was länger liegen geblieben. Wusste ja auch dass ich erst ab 16 Uhr in die Unterkunft konnte und der Wind gut stand. Hab ausgecheckt und wollte mein Bike aus der Garage haben. Kurzer Schock. Dachte für nen Moment es wäre weg. Meinen Hintern hätts gefreut, mich weniger. Stand in einem anderen Raum, wo erstmal ne Riesen Ratte durch die anderen Räder huschte. Bin dann 9:10 Uhr losgekommen und diese Schmerzen im Hintern und vor allem an den Fußfesseln sind schon nicht mehr schön. Diese Schuhe werde ich wohl nicht mehr tragen auf Tour. eigentlich cool, weil auch wasserdicht und in der Theorie warm, aber naja. Wenn ich nicht antreten muss gehts. solang ich monoton trete komm ich klar. Aber in den Orten immer schwierig mit den Ampeln und co.
Los ging es mal wieder am Kanal. Total schön und endlich kein Gegenwind so dass ich entspannt fahren konnte. Kommt mir tatsächlich ein Opi mit Oberkörper frei entgegen gefahren… bei 6 Grad… Vielleicht das neue Eisbaden. Belgien setzt Trends :-p Ich mach mir übrigens unterwegs immer Notizen wenn ich was interessanten gesehen oder erlebt habe. Sonst hab ich es abends wieder vergessen hier zu erwähnen. Bin nicht mehr die jüngste… Ne aber wenn mein Kopf sich die ganze zeit selbst leert um runterzukommen und den ganzen Tag neue Eindrücke auf mich einprasseln dann brauch ich kleine Reminder.




Natürlich fand ich die Strecke am Kanal so schön, dass ich mich kurz umentschied und doch gerade aus bis Oostende zum Meer gefahren bin. Hätte ich sonst erst übermorgen. Aber da werde ich eh mit dem Gegenwind zu kämpfen haben und muss vermutlich umplanen. Auch wenn da das schönere Wetter sein wird. Es war wirklich den ganzen Tag bedeckt und kalt. Die sonne kam erst am Ziel raus. Frechheit.
Bis ans Meer – So heisst eigentlich das Motto all meiner Touren. Das Meer ist immer das Ziel, deshalb befindet sich natürlich auch die Longversion vom Brings-Song in meiner Playlist. Nach einer Tour hat Peter bei nem Konzert auch die Ansage auch auf mich bezogen. Boah war ich da stolz haha. Aber ja lass uns losziehen, vielleicht zum letzten mal… man weiß ja nie wie lang es noch geht. Auch passend direkt im Anschluss der Song „Null oder Hundert“… Wenn man mich beschreiben müsste, gerne diesen Song zitieren, passt.
Natürlich war es viel zu kalt für alles. Ich halte aber auch wirklich jedesmal im dicksten Windzug irgendwo an. Mein geheimes Supertalent. Bin dann an der Prommenade weiter gefahren und wie schön ist das denn bitte? Ging auch gar nicht anders, weil alle Straßen innerorts waren Baustellen. Sehr schön da zu cruisen. Aber diese ganzen Restaurants auf der Fressmeile… Ich würde hier kugelrund werden wenn ich mal ne Woche an einem Ort bleiben würde.








Die Französische Grenze schlich sich langsam an. Ich war so gut im Tritt beim nächsten kleinen Kanal, dass ich nur zufällig merkte dass ich jetzt nach Frankreich rüber fahre. Das beste daran war die Radroute „Velo Maritime“ die mein Navi immer so schön aussprach. Musste man aber auch erstmal finden… dieser Weg führt an einer alten Bahntrasse entlang. Schön gemacht, aber zuerst fuhr ich auf der normalen Straße und musste mich schon von mehreren Autofahren anhupen lassen. Generell… ich bin extremst enttäuscht und genervt von Frankreich. Wie kann es sein, dass die das bedeutendste Radrennen der Welt ausrichten und dann mit den Fahrradwegen nicht klar kommen? Unverständlich! Alle paar Meter ändert sich die Beschaffenheit der Wege, man fährt viel im normalen Verkehr einfach mit. Abzweige für spezial Velo Routen Fehlanzeige, Überall Baustellen und Straßensperrungen…. Nervig. Ich hätte ne Stunde eher am Ziel sein können wenn ich Dunkirk großräumig umfahren hätte. Dumm, dass ich da morgen wieder hin muss. Allerdings auf die Meerseite da freu ich mich dann schon drauf, sofern ich ankommen sollte.
Mein Fahrrad ist übrigens jetzt richtig im Eimer. Schaltwerk und Tretwerk sind defekt. Waren sie schon bei Abfahrt aber jetzt richtig. Kann im Stehen gar nicht mehr anfahren. Meine Reifen sind auch abgefahren, Kette muss auch neu… Aber die 5 Tage wirds jetzt ja wohl noch durchhalten… 🙂







So 20km vorm Ziel war ich sehr erschrocken. Also schmutzig ist es hier generell viel und überall… aber plötzlich wurde es extremer. Und dann kamen Busse mit Flüchtlingen an wo ich vorbeifuhr und überall liefen Leute auf dem Fahrradweg rum. Ich denk was ist hier los. Und dann sag ich überall in den Gebüschen am Rand Zelte und Berge von Müll. Hunderte Meter ging das so. Ich würde lügen, wenn ich nicht Kurz etwas Angst hatte allein auf dem Bike. Vor allem aber frag ich mich wie das hier so sein kann. Nicht einen Kilometer weiter war wieder ne Heile Welt Stadt und alles sauber und friedlich. Ich hoffe da muss keine auf Dauer zelten und alle kommen irgendwo zeitnah unter und finden Arbeit. Hab kein Foto gemacht aber es war grausam.
Jedenfalls ist der Ort hier natürlich super schön. Es gibt zwei Seiten. Ich übernachte natürlich auf der Falschen. Auf der ersten Seite die ich durchqueren musste sind viele Forts, sehr schön anzuschauen bei der dann erschienenen Sonne. Es gibt Restaurants und Co. Ich musste einmal um den Hafen rum. Da sieht man den Leuchtturm schön auf der anderen Seite. ansonsten ist dieses ins Wasser gebaute Haus hier die Attraktion und sonst gibt es hier nix. Also nix lebendiges. Alles Restaurants geschlossen, keine Läden, keine Menschen. Wenn ich den ganzen Tag auf dem Esel gesessen habe und mit mir allein verbrachte habe dann will ich abends noch unter Menschen und irgendwie Geselligkeit. Hat mich kurz depri gemacht. Vor allem musste ich jetzt noch mal mit dem Rad erus zum Super U und dann auch noch was kochen. Toll war, dass ich den Schlüssel fürs Radschloss im Haus hab liegen gelassen und auch das zweite befestigungsband für die Tasche. Aber ich konnte im Abholmarkt nebenan das Rad kurz unter Beaufsichtigung abstellen. Super lieb. Der Supermarkt hat mich natürlich wieder überfordert wusste nicht was ich brauche und hab natürlich zu viel gekauft. Auf dem PArkplatz gab es übrigens öffentliche Waschmaschinen… falls man mal ne Ladung während des Einkaufs waschen möchte oder so… Die spinnen hier doch alle! In diesem kleinen Ort gibt es zwar keine Foodläden die geöffnet haben, dafür auf 1000m aber 3 geöffnete Apotheken. Macht Sinn.




Zu meiner Unterkunft auch ne lustige Story: die Unterkunft ist unscheinbar. Kein Schild keine Klingel gar nix. Die Instruktions per email auf französisch. Die Gegend sieht aus wie Polen in den 70ern. Grau, verlassen, altmodisch. Ich den Vermieter angerufen der NATÜRLICH kein Englisch spricht als richtiger Franzose. Aber wir konnten es klären, Schlüssel gefunden. Innen sehr schön eingerichtet. Einziges Manko: Schlafzimmer beide oben über ne steile Treppe. Bad unten… ich seh mich diese Nacht schon schlaftrunken darunter segeln… Und die Eingangstür hat so n Französisches Schloss wo man den Griff hochdrücken muss, hat mich auch schon 3x wahnsinnig gemacht.
Hab mir couscous mit Arrabiata und Kichererbsen mit Feta gemacht. Standesgemäß ne Portion für ne Fussballmanschaft. Dazu ein leckeres Bierchen. Leider hört dieser husten nicht auf, nervt.






Morgen und übermorgen komplett Gegenwind. Ich hab große Angst dass ich es nicht packe.
So Schluss jetzt, ab in die Dusche.